Bildung & Integration
Wir wollen daran arbeiten, dass die soziale Herkunft und der Bildungsstatus der Eltern nicht über die Zukunft der Kinder entscheidet. Armut ist bisher vererbbar. Je geringer der Bildungsabschluss, umso höher die Wahrscheinlichkeit der Armut. Wir werden uns auch in Zukunft keine sozialen Schichten, die aus Bildungsmangel verarmt sind, leisten können und wollen. Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Deshalb: Bildung, Bildung, Bildung – weil Bildung menschenwürdiger und auf Dauer billiger ist!
Kinderbetreuung
Das Land entzieht sich oft der Verantwortung, die Kommune muss es ausbaden. Im Gemeinderat habe ich in den letzten elf Jahren gemeinsam mit den FraktionskollegInnen viele grüne Akzente setzen können und Projekte entwickelt, die die Fehler der Landesregierung in der Bildungspolitik korrigieren. Beispiele hierfür sind: Schulsozialarbeit, Sprachförderung und die gebührenfreie Kita für Kinder aus BonusCard-Familien. Doch Strukturen der Bildungs- und Sozialpolitik werden maßgeblich auf der Landesebene geprägt. Darum ist der Landtag mein Ziel.
Es muss dringend etwas passieren, um die Attraktivität des Standortes Stuttgart – und damit meines Wahlkreises – auch für junge Familien zu erhalten. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist nicht das Häuschen im Grünen vorrangig, sondern gute Betreuungsplätze für Kinder. Anders lassen sich Beruf und Familie nicht unter einen Hut bringen. Aber gerade die Plätze für unter Dreijährige und Hortplätze für Schulkinder müssen noch ausgebaut werden. Hier muss auch das Land seinen Teil dazu beitragen und darf sich der Verantwortung nicht entziehen.
Innovative Schulkonzepte
Bildung ist der Schlüssel zur Integration und beginnt nicht erst in der Schule. Alle Kinder, mit und ohne Migrationshintergrund, dürfen von keinen Leistungen ausgeschlossen werden. Ihrem Alter entsprechend müssen ihnen Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dazu gehören qualifizierte Sprachförderung, Sport- und Musikunterricht.
Bildung muss von Anfang an, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, möglich sein. Wir Grüne wollen gemeinsames Lernen bis Klasse 10 oder noch besser ein durchgängiges Schulkonzept von der Hauptschule bis zum Abitur. Dies zu entwickeln, gehört zu den Landesaufgaben. Sieht man genauer hin, entdeckt man viele Lücken und Schwachstellen.
Wir wollen keine Verschulung der frühkindlichen Betreuung und der Kitas. Die Einrichtungen müssen aber den natürlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Voraussetzung dafür ist eine qualifizierte Ausbildung der BetreuuerInnen, die Sache des Landes ist. Schaut man sich um bei den europäischen Nachbarn, kann man sehen, dass dort die Erzieherausbildung bereits an der Universität mit dem Bachelor-Abschluss angesiedelt ist. Hier sehe ich eine gute Möglichkeit, auch den Männeranteil in diesem Beruf wieder zu steigern.
Schon jetzt hat die Stadt die vom Land geforderte Versorgungsquote für 2013 im Kleinkindbereich von 35 Prozent erreicht. Dennoch warten mehr als 3000 Kinder auf einen Platz.
Ganztagsschulen – zu wenig
Der Ausbau der Ganztagsschulen durch das Land geschieht viel zu träge und zu langsam. Dabei müsste den verantwortlichen Politikern schon lange klar sein, dass die Ganztagsschule ein wesentlicher Teil der modernen Gesellschaft ist. Sie trägt einerseits wesentlich zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei und andererseits kann sie die Defizite der Kinder aus bildungsfernen Schichten auffangen und korrigieren. Denn nicht nur der Unterricht ist für die Bildung notwendig, ebenso wichtig sind auch gute Sozialkompetenzen. Die werden beispielsweise beim gemeinsamen Essen geübt. Essen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern ist ein Teil des pädagogischen Konzeptes. Was früher selbstverständlich im Rahmen der Familie gelernt wurde, gehört heute zu den Aufgaben der Schule. Es hilft nicht, dies zu negieren. Die Versäumnisse werden immer größer und die Gefahr einer sozial unfähigen Gesellschaft wächst.
Werkrealschule – neue Hürde
Die Werkrealschule ist ein weiteres Beispiel für ein nicht durchdachtes Konzept, das nicht für die Zukunft taugt. Zu unserem dreigliedrigen Schulsystem kommt noch mal ein weiterer Zweig dazu, der wiederum Schüler und Schülerinnen ausgrenzt, die den erforderlichen Notendurchschnitt nach der neunten Klasse nicht geschafft haben.
Berufliche Gymnasien – zu klein
Viel zu wenige Plätze gibt es an den beruflichen Gymnasien. Längst gelingt es nicht allen Schülern und Schülerinnen, die nach der Mittleren Reife auch das Abitur machen wollen, dort einen Platz zu ergattern. Die Zulassung zum beruflichen Gymnasium wird durch einen Numerus Clausus geregelt. Also Ausgrenzung und Nichtdurchlässigkeit auf dem Weg zum Abitur.
Schulsozialarbeit – nicht nur für Hauptschulen
Die Schulsozialarbeit muss dringend ausgebaut werden. Bisher gibt es sie in Stuttgart nur an den Hauptschulen und an einer Realschule. Aber auch die restlichen Realschulen und die Gymnasien brauchen qualifizierte SozialarbeiterInnen, die zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern für die Betreuung und Bildung der Schülerinnen und Schüler verantwortlich sind. Das Lehrpersonal alleine ist damit überfordert. Vieles, was früher in der Familie geleistet wurde, gehört heute zu den Aufgaben der Schule.


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