Landtagsabgeordnete Aras
Warum in den Landtag?
Nachhaltig, klug, stetig und verlässlich wie eine Schildkröte, die unbeirrbar ihrem Ziel zustrebt. Mit diesem Bild vor Augen ging ich auf die Landtagswahl am 27. März 2011 zu.
Im Gemeinderat habe ich in den letzten elf Jahren gemeinsam mit den FraktionskollegInnen Projekte entwickelt, die die Fehler der Landesregierung in der Bildungspolitik korrigieren. Beispiele hierfür sind: Schulsozialarbeit, Sprachförderung und die gebührenfreie Kita für Kinder aus Bonuscard-Familien. Doch Strukturen der Bildungs- und Sozialpolitik werden maßgeblich auf der Landesebene geprägt. Darum ist der Landtag mein Ziel.
Nachhaltig wie eine Schildkröte…
Das Thema Integration beglückt uns regelmäßig: 1999 die unsägliche Doppelpasskampagne von Hessens Roland Koch, 2000 dann Gerhard Schröders Greencard. Heute müssen wir uns mit den rassistischen Thesen eines Thilo Sarazzin herumschlagen.
Es gibt tatsächlich große Defizite in der Integrationspolitik. Sie sind weder unbekannt noch neu. Nachhaltigkeit ist auch bei Integrationsmaßnahmen in aller Munde, doch mit der Umsetzung hapert es massiv. Genau da möchte ich ansetzen.
Auch ich habe keinen Kindergarten besucht, hatte keine Schere in der Hand, kannte weder Knete noch Buntpapier. Meine Mutter trug in Deutschland anfangs ein Kopftuch! Sie kann weder lesen noch schreiben. Meine Eltern kommen aus dem hintersten Anatolien und muslimisch sind sie auch noch. Trotzdem wollten meine Eltern, dass ihre fünf Kinder es einmal besser haben sollten. Wir fünf sollten auf jeden Fall studieren. So schaffte ich den schwierigen Weg von der Hauptschule bis zum Abitur. Anschließend studierte ich Wirtschaftswissenschaften. Das großartige Landtagsergebnis ist für mich ein Beweis für gelungene Integration und das geht nur über Bildung!
„Integration braucht Vorbilder“ – nach diesem Motto setzte Winfried Kretschmann 2009 die Liste zur Bundesversammlung zusammen. Er wollte erfolgreiche Integration sichtbar machen. Signale zu setzen sind die Stärken der Grünen – für die hiesige Gesellschaft und für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Nach 30 Jahren grüner Präsenz im Landtag können wir auch hier endlich Flagge zeigen.
Unsere Gemeinderatsfraktion hat in Stuttgart deutliche Akzente in der Integrations- und Sozialpolitik gesetzt. Doch wie sieht es in Calw oder Karlsruhe aus? Wir müssen landesweit Antworten darauf geben, wie die Teilhabe aller Kinder im Bildungssystem gesichert werden kann – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. „Bildungsferne“ Familien gibt es nicht nur bei Migranten oder gar innerhalb einer bestimmten Religion. Sie ist hier eine Frage der Armut. Davon sind in der reichen Stadt Stuttgart über 20 Prozent der Kinder betroffen.
Viele Eltern können ihre Kinder nicht angemessen fördern. Gerade die „bildungsfernen“ Familien brauchen die Unterstützung der Politik. Sie sind ohne eine wirkungsvolle und gerechte Bildungspolitik verloren. Plätze für Ganztagesbetreuung wären ein wichtiger Baustein. Chancengleichheit tatsächlich herzustellen, ist schwerer als Mikrobiologen aus Indien zu importieren. Doch vor großen Herausforderungen bin ich noch nie zurückgeschreckt.
Klug wie eine Schildkröte…
Wir haben gute Projekte und ein gutes Parteiprogramm für die nächsten fünf Jahre. Das bringt uns aber gar nichts, wenn wir nicht wissen, wie wir das Ganze finanzieren können. Ich bin Steuerberaterin und Wirtschaftswissenschaftlerin. Das Lesen, Analysieren und Aufstellen von Finanzplänen, Budgets und Bilanzen gehören zu meinem täglichen Brot. Ich kenne die Situation der kleinen und mittleren Betriebe, aber auch die der Finanzämter und Arbeitsagenturen…
Seit dem grandiosen Kommunalwahlerfolg von 2009 haben wir zum ersten Mal einen Sitz im Verwaltungsrat der LBBW und in anderen Bankgremien. Hier konnte ich mein Fachwissen einbringen, die richtigen Fragen stellen und grüne Akzente setzen.
Unser Land hat über 40 Milliarden Euro Schulden. Auf die öffentliche Hand kommen immer mehr Aufgaben zu, ohne dass mehr Geld in der Kasse ist. Die knappen öffentlichen Mittel müssen nachhaltiger und effizienter eingesetzt werden. Nachhaltigkeit und Klugheit sind grüne Markenzeichen. Nur so können wir den folgenden Generationen Gestaltungsspielraum lassen. Grüne Politik ist damit gefragter denn je!
Stetig und verlässlich wie eine Schildkröte…
Unsere Position zu S21 ist klar und das seit Jahren. Ich bin mir sicher, dass unsere konstante Arbeit für das Ende des Milliardengrabs S21 Erfolg haben wird und die StuttgarterInnen siegen werden. Dieser Protest hat die Stadtgesellschaft sehr stark verändert und politisiert. Unser Job ist es jetzt, über dieses Projekt hinaus für eine bessere Bürgerbeteiligung zu sorgen. Ich bin stolz und froh ein Teil dieser Bewegung zu sein und die Zukunft gestalten zu dürfen.


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